Kraftort Kurhaus
Stefan Schlampp
ist Chefarzt der «Klinik im Hof» des Resorts Hof Weissbad in Appenzell. Der Orthopäde schätzt die interdisziplinäre Zusammenarbeit im kleinen, kompetenten Team, dank der die Patientinnen und Patienten eng begleitet und effizient therapiert werden können.
Was macht eine gute Kur aus? Wer frisch operiert, erschöpft oder zum Aufbau zur Kur kommt, profitiert nicht nur von guter medizinischer Betreuung und nötigenfalls intensiver Physiotherapie, weiss Orthopäde Stephan Schlampp, Chefarzt der «Klinik im Hof». Genauso wichtig ist der schöne Aufenthaltsort, die Ruhe, entspannende Angebote wie Massagen, Sauna oder Thermalbad – und natürlich das kulinarische Verwöhnprogramm.
Was hat ein Aufenthalt in einem Kurhaus einer Physiotherapie am Wohnort voraus?
Je länger, desto mehr: Früher blieben die Patientinnen und Patienten nach einer Operation mindestens eine Woche im Spital, bevor es zur Erholung zur Kur ging, heute sind es manchmal nur drei Tage. Abhängig von Eingriff, Lebenssituation und Mobilität kann jemand zu Hause überfordert sein. In solchen Situationen profitiert man besonders davon, dass in einem Kurzentrum medizinische Betreuung und vielfältige Therapieangebote einfach und rasch erreichbar sind – da müssen Sie sich keine Gedanken machen, wie Sie mit Krücken ins Tram steigen. So können Sie problemlos mindestens zwei Therapien täglich absolvieren, statt bloss zwei pro Woche. Bei uns an in der Klinik im Hof ist nur sonntags Therapiepause. Diese intensive Betreuung macht erhebliche Fortschritte in kurzer Zeit möglich.
Früher diente eine Kur klassischerweise der Erholung. Sucht man heute ein Kurhaus vor allem für eine effektive Genesung nach Erkrankungen und Operationen auf?
Heute ist der medizinische Anteil eines Kuraufenthaltes wichtiger geworden. Doch um nach einer Chemotherapie, starkem Stress oder einer belastenden Situation wieder rasch zu Kräften zu kommen, bleibt Erholung unverzichtbarer Bestandteil einer Kur. Der Tapetenwechsel, die verschiedenen Therapien und Angebote wie Massagen oder Baden im warmen Wasser haben einen hohen Erholungswert. Dazu trägt auch die komfortable Hotelunterkunft bei, die von Alltagsaufgaben wie Haushalt, Einkauf oder Kochen entlastet. Wir sehen regelmässig ältere Gäste, die dekonditioniert und sturzgefährdet zu uns kommen, um einen Aufbau zu machen. Sie holen sich gezieltes Training und Ermutigung, um wieder mobiler zu werden. Nach zwei Wochen sind sie wieder merklich sicherer auf den Beinen und vor allem auch motiviert, das erreichte Niveau zu Hause zu halten. Das ist Prävention in Reinkultur, die dem Gesundheitswesen viel Geld spart: Jeder Sturz mit anschliessendem Pflegeaufenthalt generiert mehr Kosten als die jährliche Kur zum Fitbleiben.
«Therapiepause ist bei uns nur sonntags.
Diese intensive Behandlung zeigt rasche Fortschritte.»
Wenn ich zur Kur ins Resort Hof Weissbad komme: Wie gestaltet sich mein Aufenthalt bei Ihnen?
Zunächst erhalten wir von Ihrer Hausärztin oder dem Spital einen Kurantrag zur Prüfung. Wenn Sie mobil genug sind oder die nötige Begleitung haben, können Sie eintreten. Je nach Krankenkasse wird Ihnen ein Anteil der Aufenthaltskosten erstattet, in der Regel sind es 30 bis 150 Franken pro Tag von der Zusatzversicherung, die auch für die komplementären Angebote von Vorteil ist. Zu Beginn gibt es gibt ein Eintrittsgespräch, in dem wir Ihre Diagnose und Bedürfnisse besprechen und ein Therapieprogramm zusammenstellen. Dieses kann laufend angepasst werden. Beispielsweise kann es in den ersten Tagen nach einer Operation Schwellungen geben, gegen die dann etwas mehr Lymphdrainage hilft. Während der Kur findet einmal wöchentlich eine Sprechstunde statt, bei Bedarf auch öfter. Wenn aus medizinischer Sicht nichts dagegenspricht, können Sie auch in Eigenregie baden gehen, an Gruppenangeboten teilnehmen oder im Fitnessraum trainieren. Am letzten Tag gibt es ein Abschlussgespräch und wir schreiben einen Austrittsbericht.
Was mögen die Kurgäste besonders am Resort Hof Weissbad?
Es ist für viele ein Kraftort, da wir uns hier in einer wunderbaren Landschaft befinden. Dies trifft für die meisten Kurhäuser zu und ist eine unschätzbare Voraussetzung für eine gute Regeneration. Dazu gehört eben auch die angenehme Unterbringung im Hotel, wo beispielsweise auch die Möglichkeit besteht, Angehörige mitzunehmen. Dort ist auch für gute Verpflegung gesorgt – ein wichtiger Faktor für eine positive Stimmung! Und beim Essen können diejenigen Gäste, die das wünschen, unkompliziert mit anderen Menschen ins Gespräch kommen. Bei den Therapien werden die entspannenden Angebote sehr gerne genutzt, beispielsweise Massagen, Shiatsu, Faszientherapie oder auch das Höhentraining, das mit verschiedenen Sauerstoffkonzentrationen arbeitet. Je nach Gesundheitssituation gibt das vorhandene medizinische Backup in unserem Haus auch die nötige Sicherheit, dass sich jemand eine Atempause vom Alltag gönnt.
«Der Tapetenwechsel, die vielfältigen
Therapien und Wellnessangebote haben
einen hohen Erholungswert.»
Das Resort Hof Weissbad bietet individuelle Therapieprogramme in enger Zusammenarbeit von Ärzten, Pflege und Therapeuten. Die Behandlungen konzentrieren sich vor allem auf Erkrankungen und Beschwerden des Bewegungsapparats. So verbindet das Haus medizinische Kompetenz mit einer Umgebung, die gezielt auf Regeneration und Gesundheit ausgerichtet ist..
«Kurhäuser werden oft als Kraftorte wahrgenommen.»
Interview: Fabienne Hohl
